Zehn Leitsätze im Autogenen Training
Geschehenlassen ist die entscheidende innere Haltung
Es kann nicht oft genug betont werden, daß wirkliches Autogene Training eine völlig individuelle Angelegenheit ist und jeder Mensch hier den wirklich ihm eigenen, naturhaft bestimmten Weg gehen muß.
Aus der Welt von Wille, Tat, Entscheidung und Aktion wendet sich der Übende geschlossenen Auges in die Welt inneren Gestaltens selbstgesetzter innerer Bilder.
Jede aktive Bemühung hebt die Arbeit in sich selbst auf.
Jedes aktive Wollen, ja bereits zielgerichtetes, aktives Denken, sind mit der inneren passiv-empfangenden Haltung unvereinbar.
Nicht „denken“, nicht „sich selbst befehlen“ nicht „versuchen, etwas zu machen“
Man wird jedem Übenden erklären, daß er nur dann wirklich Erfolg haben wird, wenn er sich den selbstgesetzten, inneren Formeln in echter gesammelter Weise hingibt; wenn also eine nach innen gewendete, gelöste und empfangende Konzentration etabliert wird, die in schärfstem Gegensatz zu der extrem gespannten steht.
Vieles, was heute unter dem leider auch propagandistisch mißbrauchten Titel „Autogenes Training“ geschieht, hat mit unserer Methode nicht mehr das geringste zu tun.
Das Verhältnis Mensch zu Mensch fordert eine innere Gleichstellung, eine Erfassung des anderen in seiner Eigenart und mit allen seinen Lebensbezügen.
Lösende Lockerung im Sinne lebendigen Gesamtverhaltens führt, bildlich gesprochen, zu einer größeren inneren Weite: wenn sonst teils Beengung von außen bestand, teils Bedrängung von innen, so ist nun freie Konsonanz mit der Umwelt, wirbelfreies Ausschwingen in der Innenwelt möglich.
Hier mündet unsere Arbeit in der höchsten psychotherapeutisch zugänglichen Schicht der Existentialwerte, in der Selbstverwirklichung.